Film-Workshop zu Berlinale-Streifen: “Fortschritt im Tal der Ahnungslosen”

Filme schauen und danach besprechen – das ist das Konzept des Film-Projektes, das in der Jahrgangsstufe 11 des Beruflichen Gymnasiums derzeit stattfindet. Am 9. Dezember  hatten alle SchülerInnen in der Oberurseler Portstraße im Kino „Bluebox“ den Film „Fortschritt im Tal der Ahnungslosen“ von Regisseur Florian Kunert, D, 2019, gesehen. Der gezeigte Dokumentar-Film , welcher bei der letzten Berlinale ausgezeichnet und von vielen Film-Kritikern gelobt wurde, konnte mit viel Verwaltungsaufwand im Vorfeld eigens für diese eine Vorführung im Oberurseler Kino freigegeben werden.

Am darauffolgenden Mittwoch, 11.12., fanden dann in den Räumlichkeiten der Feldbergschule jeweils anderthalbstündige Workshops für alle 11 BG-Klassen statt, unter der Leitung von Dr. Carsten Siehl, Filmwissenschaftler, Kurator und Autor.

Der Regisseur unternimmt ein Experiment zur filmischen Erinnerung. Er verknüpft die DDR-Vergangenheit mit der heutigen politischen Lage – auch am Beispiel junger syrischer Flüchtlinge, die in seinem Film auftreten. Der Titel „Fortschritt im Tal der Ahnungslosen“ ist darauf zurückzuführen, dass in der sächsischen Region, um die es geht, früher kein Westfernsehen zu empfangen war, die DDR-Bürger also “ahnungslos” waren, was im Westen vor sich ging. Fortschritt war der Name der Landfahrzeuge, welche in einer Fabrik dort hergestellt wurden.

Im Klassenraum wurde der Film besprochen und auch Ausschnitte eines Interviews mit dem Regisseur Florian Kunert gezeigt. Vielfältige Bezüge zu politischen und geschichtlichen Fragestellungen boten sich im Kontext dieses Filmes an.

Besonders wichtig war Herrn Dr. Siehl jedoch mit den Schülern und Schülerinnen auf Basis dieses Beispieles herauszuarbeiten, dass auch Dokumentarfilme eine Inszenierung beinhalten und dass deren Produzenten und Regisseure sowie sonstige Mitwirkende bestimmte Intentionen mit ihren Filmen verfolgen. Nicht zuletzt seien auch Überlegungen handlungsleitend, die darüber bestimmen, mit welcher Aufmerksamkeit das Publikum und die Fachpresse reagieren werden.

Einige Schülerinnen und Schüler beteiligten sich sehr aktiv am entsprechenden Gespräch mit Herrn Dr. Siehl und kamen selbst zu interessanten Erkenntnissen.

In einem anderen thematischen Bereich bewegte sich dann die zum Abschluss gezeigte zehnminütige Dokumentation „All inclusive“ von Corinna Schwingruber (CH, 2018). Diese setzt sich mit dem aktuell grassierenden Kreuzfahrt-Tourismus auseinander. Die Regisseurin wählte eine ganz andere Herangehensweise als Kunert, indem sie einzelne Personen nicht in den Vordergrund der Betrachtung rückte, sondern immer nur kurz einblendete. Ihr ging es vielmehr um das gesamte Phänomen. Während im anschließenden Gespräch einzelne Wortmeldungen der SchülerInnen in die Richtung gingen, dass dieser Film durchaus Werbung für Kreuzfahrten machen würde, wirkte der Film eher abschreckend auf andere und führte zu umweltpolitischen Fragestellungen und zur Kritik am Massentourismus. Somit hatte Herr Dr. Siehl auf jeden Fall eine gelungene und diskussionsanregende Auswahl getroffen.

Der gesamte Workshop wurde von den Schülerinnen und Schülern positiv gewürdigt. Alle sind gespannt auf die Fortsetzung des Kino-Projektes im kommenden Februar.

(Text und Foto: Christiane Goslar)